Nathan der Weise - Mannheimer Neuinszenierung



Der Kurzfilm - Der Patriarch kommt und urteilt (Videoproduktion - Tatiana und Artem Gratchev) - ist ein wesentlicher Teil der Inszenierung.

Drehbuch und Regie: Klaus Servene.
Mit:
Dirk Mühlbach als Patriarch,
Matthias Boeker (aka Beaker Pox),
Mathias Wendel.



Besprechung in der Wormser Zeitung.
Mannheimer Morgen.
Bericht "Animus Klub" mit vielen Fotos.
Dokumentation und Neues auf der Webseite der Internationalen Freien Theatergruppe Unser Theater.

Wussten Sie, dass "Nathan der Weise" 1779 in Mannheim inoffiziell uraufgeführt wurde?

"UnserTheaTer" zeigt Lessings berühmten Klassiker in einem neuen Gewand. Die Philosophie "Alle anders - Alle gleich" spiegelt sich in diesem Stück in besonderem Maße wider. Zudem spannt der Weltchor den Bogen zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Hierfür wurden Filmszenen gedreht, die während der Aufführung eingespielt werden.

"UnserTheaTer" besteht aus Menschen internationaler Herkunft. Sie leben in Mannheim und der Metropolregion Rhein-Neckar.

Aufklärung - ein Fest! Lassen Sie sich inspirieren und von der "UnserTheaTer"-Lebenslust anstecken.

Regie und Gesamtleitung: Limeik Topchi
Assistenz: Annette Hammerstein
Neue Bühnenfassung: Klaus Servene in Zusammenarbeit mit Limeik Topchi
Bühnenbild: Prof. Dr. Spartak Paskalevski
Kostüme: Dzevada Christ
Videoproduktionen: Tatiana und Artem Gratchev
Fotos: Tatiana Gratchev
Musik-Collage/Licht: Artem Gratchev
Technische Hilfe: Gerhard Müller

Ensemble: Brigitta Martin (Sultan Saladin), Larissa Fritsch (Sittah), Monika Loser (Nathan), Betül-Bengü Soyupak (Recha), Annette Hammerstein (Daja), Leo Kawe (Tempelherr), Beate Gerbil und Sharif Tavakuli (Derwisch), Dirk Mühlbach (Patriarch), Klaus Becker (Klosterbruder), Mariana Arnaudova (tote Ehefrau Nathans);

sowie für Filmeinspieler eines "Weltchors" zusätzlich viele andere mehr: Esther Reche Callardo, Hasan Yurt, Murat Görgülü, Filiz Lunkaya, Ali Elfeky, Nino Janiashvili, Helmut Schäfer, Mesude Schmidt, Sümmeya Ugurlu, Reggy Nur, Ali Yurt, Ulla Zellmann-Seyfferth, Margarita Zarkova, Burak Görgülü, Daniela Cohrs, Aleksandra Burger, Arman Colon-Flores, Mathias Wendel, Ebru Ramisova, Matthias Boeker, Alisia Uzunova, Theodor Burger, Sara Baraiac.

Uraufführung bzw. Premiere am 18. März 2017 im Theatersaal der Abendakademie Mannheim (im Rahmen der UN-Wochen gegen Rassismus).

25. März: Lincoln-Theater Worms.

7. April: Kulturkirche Epiphanias Mannheim.

29. April: Bürgerzentrum Heidelberg-Kirchheim.

8. Juli: Museumsschiff Mannheim

29. September: Theater Mobile Zwingenberg

1. November: Cinema Quadrat, Mannheim (Aufzeichnung der Premiere)

Gesamtverantwortung für die Theater-Projekte "Nathan der Weise" und "Flirt mit dem Tod", Kontakt und Leitung Ensemble "Unser Theater":
Limeik Topchi, Schauspieler & Regisseur
E-Mail: info@unser-theater.com
(c) Beide Bühnentexte: Klaus Servene, Hamburg



„Nathan der Weise“ als öffentlicher Selbstverteidigungskurs gegen den umgreifenden Inhumanismus - Zur Entstehung der „Mannheimer Neuinszenierung“

Als ich den Schauspieler, Regisseur und Schauspieldozenten Limeik Topchi kennenlernte, bei einem „Internationalen Suppenfest“ in der „Begegnungsstätte Westliche Unterstadt“, ahnte ich nicht, dass ich mein geplantes (und inzwischen wieder vergessenes) „Kürzertreten“ als Autor und Herausgeber (von rund 60 Büchern) erneut würde verschieben müssen. 2015 probte er mit Engagement und Enthusiasmus für „Heymes Sturm“ und wir trafen uns im Café der Abendakademie, wo er mir seine bereits sehr detaillierten Ideen zum Stück „Flirt mit dem Tod“ so eindrücklich schilderte, dass ich sofort begann, den Theatertext niederzuschreiben. Der Faszination des Themas sind glücklicherweise nicht nur Topchi und ich erlegen, sondern bereits im Jahr darauf auch die zahlreichen Zuschauerinnen und Zuschauer im gleich zwei Mal hintereinander ausverkauften Capitol-Casablanca: ein „Mannheimer Jedermann“ (Presse) war geboren – aber Topchi hatte bereits vor der Premiere darauf insistiert, ein weit größeres Projekt mit über dreißig Beteiligten in Angriff zu nehmen: Nathan der Weise.

Zu Lessings Zeiten wie heute prallen weltweit religiöse Weltbilder aufeinander, wird Religion zu einem politischen Werkzeug zur Durchsetzung von Machtinteressen. Hass wurde und wird erzeugt, Hass auf die „Anderen“, er entlädt sich in alltäglichem Terror und in exzessiver Gewalt.

Und darum hat auf Topchis Anregung „Unser Theater“ (zunächst in Form meiner Textarbeit), 15 Jahre nach 9/11, der Seele von Lessings Lehrstück nachgespürt, jenes „materialistischen Aufklärers“ (Fritz J. Raddatz). Im vollen Bewusstsein darüber, dass es sich hier um eines der bedeutendsten Theaterstücke in deutscher Sprache handelt. Welches übrigens noch zu seinen Lebzeiten zum ersten Mal in Mannheim (nichtöffentlich) aufgeführt wurde; und zwar offenbar zwischen dem Termin der Erstveröffentlichung des Nathan zur Leipziger Ostermesse 1779 und dem 15. Oktober 1779. Letztes Datum trägt ein Brief aus Mannheim, als Quelle zitiert im "Theaterkalender auf das Jahr 1781, Gotha". (Den Fakten von "wesentlicher Relevanz" nicht nur für die Mannheimer Theatergeschichte ist dankenswerter Weise Frau Liselotte Homering vom REM "auf der Spur" ...)

Zu Ostern 2016 entstand eine erste Fassung, welcher in engster Zusammenarbeit mit Topchi und in der Folge mit seinem Ensemble weitere Fassungen folgten. Galt es doch, das Stück zu kürzen und auf Wunsch des Regisseurs um meine eigene Lyrik anzureichern; dies nicht im Sinn einer mutwilligen Collage, sondern eines Herausarbeitens von Lessings Intention. So gehören Filmeinspielungen eines „Weltchors“ zu dieser Inszenierung. Ebenfalls fester Bestandteil der Neufassung ist eine filmische Einspielung der Patriarchenszene. Dadurch wird über das persönliche Schicksal eines Schauspielers hinaus eine allgemeine menschliche Tragik auf den Punkt gebracht: Der Mannheimer Schauspieler Dirk Mühlbach spielt den „herzlosen“ Patriarchen. Seit dem 18. September 2014 kann er seinem Schauspielerberuf nicht mehr nachgehen. Seitdem steht er nämlich auf der Warteliste der Heidelberger Herzchirurgie und wartet auf ein Spenderherz. Seit dem 18. September 2014 hängt sein Leben an einem sogenannten Kunstherzsystem.

Auch wird Nathans Ehefrau und seinen toten Söhnen eine gewichtigere Rolle gegeben, die Schlüsselszene ist eher ein Auftritt Nathans und des Klosterbruders als die bekanntere Ringparabelszene ...

Antworten und Fragen wurden gefunden, die helfen können, unsere Gegenwart besser zu verstehen und gerade hier und jetzt eine klare Haltung zu zeigen. Die Einzigartigkeit des „dramatischen Poems“ aus einer längst vergangenen Zeit soll aufgefrischt werden. Im Sinne Lessings wird „der ganzen Welt“ gezeigt, dass zur Brechung jedweder Gewaltunkultur Verständigung und Verstehen, Toleranz, ja Duldsamkeit erforderlich sind. Ihr Scheitern würde ein Versinken ins Chaos und in die Barbarei bedeuten.

„Habe den Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“, dieser Kant-Spruch gilt heute mehr denn je.

Februar 2017, Klaus Servene, Autor & Herausgeber

Flirt mit dem Tod



(c) Alle Fotos von Tatiana Gratchev

Uraufführung am 20. Mai 2016 mit: Guramy, Margarita Zarkova, Michelly Nowlly und Nikola Zarkov.

Regie und künstlerische Leitung: Limeik Topchi.

Ton- und Soundeffekte: Artem Gratchev.

Licht: Reiner Hocke.

Bühnenfotos: Viktor Kehayov, Tatiana Gratchev, Franz Bellmann.

Gedichtvertonung: Guramy

Autor: Klaus Servene

Premiere und Zusatzvorstellung im CAPITOL Mannheim ausverkauft.

"Der Flirt mit dem Tod hat mich gestern Abend sehr beeindruckt. Ein hervorragender, ausdrucksstarker Hauptdarsteller. Auch die beiden Schauspielerinnen und der Junge mit dem Globus am Schluss haben überzeugende Leistungen gebracht. Der Regisseur hat eine einfallsreiche Inszenierung präsentiert. Auch die Dramaturgie und das spartanische Bühnenbild haben genau in die Thematik des Stückes gepasst. Die einfühlsamen musikalischen Einspielungen konnten emotionale Ausbrüche oder Stimmungen perfekt intensivieren. Die Arbeit des Autors wurde sensibel auf der Bühne umgesetzt und diese Inszenierung und das Ensemble vom Publikum zurecht mit Beifall bedacht."
Margit Raven, Autorin und freie Journalistin.

Erotik und Komik mit der Sensenfrau


Der schaurige Sensenmann als schöne Frau - aus diesem Umkehrspiel entwickelt sich ein "Flirt mit dem Tod". Das Bühnenstück zwischen Drama und Romanze, Erwartungen und Enttäuschungen feierte am Freitagabend im Mannheimer Capitol Uraufführung. Im kleinen ausverkauften Casablanca-Saal zeigte sich das Publikum von der emotionalen Darbietung der "Unser Theater"-Akteure begeistert.

Die Inszenierung hat eine Entstehungsgeschichte, die ihrerseits bühnenreif ist: Mitwirkende Laienschauspieler und der (studierte) Regisseur Limeik Topchi waren bereits dabei, als Hansgünther Heyme, ehemaliger Intendant des Ludwigshafener Pfalzbau-Theaters, im letztjährigen Sommer als deutsch-bulgarisches Gemeinschaftsprojekt Shakespeares Drama "Der Sturm" präsentierte. Beflügelt von dem damaligen Erfolg im Alten Mannheimer Neckarstadt-West-Volksbad beschlossen Ensemble-Mitglieder weiter zumachen. Der in Mannheim lebende Autor Klaus Servene schrieb das Stück: eine Art "Jedermann" - nicht für die Salzburger Festspiele, sondern für und aus Mannheim. In die groteske, aber keineswegs absurde Handlung webte er Ideen des künstlerischen Leiters Topchi genauso ein wie eigene Lyrik - beispielsweise sein Gedicht "Als mein Herzschrittmacher streikte".

Der Tod nimmt, er gibt aber auch - Gerechtigkeit. Denn reich oder arm interessieren ihn genauso wenig wie Herkunft und Nationalität. Am Ende sind alle gleich. Das begreift in einem schmerzhaften Prozess "ein Mensch", als er merkt, dass seine gerade gewonnenen Lotto-Millionen nichts wert sind, wenn die Zeit abgelaufen ist.

Das Vier-Personen-Stück "Flirt mit dem Tod" lässt reichlich Raum für Performance. Und die setzten Guramy (Mannheimer Musiker und Texter mit schauspielerischem Talent) sowie Margarita Zarkova und Michelly Nowlly mal erotisch, dann wieder komisch um. Mit Mut zu Gefühl, das an Grenzen geht.

Und weil auch nach dem Ende eines Lebens die Zukunft weiterläuft, verkündet zum Schluss ein Junge die Botschaft: "Es wird der Tag kommen ...". An dem vielleicht jene Wünsche in Erfüllung gehen, die alle Menschen bewegen - in Deutschland wie in Bulgarien oder anderswo.

(c) Waltraud Kirsch-Mayer Mannheimer Morgen (Digitalzeitung), Mittwoch 25. Mai 2016

Unter dem Titel Mutiger „Flirt mit dem Tod“ ist der Beitrag von Waltraud Kirsch-Mayer gleichfalls in der Druckausgabe des Mannheimer Morgen erschienen (25. Mai 2016)

Ludwigshafener Rundschau (Die Rheinpfalz): Jedermann aus der Neckarstadt; 19.Mai 2016

Von Sarah Engesser

Es geht hier um ganz grundsätzliche Fragen: um Leben und Tod, um Geld und Kunst, um den Gegensatz zwischen geistigen und materiellen Werten. Das Theaterstück „Flirt mit dem Tod“ stammt von Klaus Servene, der Regisseur Limeik Topchi, der schon mit Hansgünther Heyme gearbeitet hat, inszeniert es in Mannheim mit der freien Theatergruppe Unser Theater. Die Premiere ist am 20. Mai im Capitol.

Schon als Kind hatte der heute 30-jährige Regisseur den Traum, Schauspieler zu werden und studierte dann Schauspiel und Regie an der Universität Plovdiv in Bulgarien. Da er in Bulgarien wenige Möglichkeiten sah, Theater zu machen, kam er 2012 nach Deutschland. „Die Bühne ist meine Heimat, da fühle ich mich wohl. Obwohl ich noch wenig Deutsch konnte am Anfang, bin ich oft ins Nationaltheater gegangen. Theater kann man fühlen, man muss nicht jedes Wort verstehen“, sagt Topchi.

Die Idee zu „Flirt mit dem Tod“ hatte Topchi bei den Theaterarbeiten zu Hansgünther Heymes „Der Sturm“ im vergangenen Jahr, bei dem er die Hauptrolle des Prospero spielte und Regieassistent war. Das Mannheimer Theaterprojekt des langjährigen Intendanten des Theaters im Pfalzbau in Ludwigshafen brachte bulgarische und deutsche Laienschauspieler zusammen auf die Bühne und warb so für mehr interkulturelle Verständigung.

„Flirt mit dem Tod“ des in Mannheim lebenden Autors und Herausgebers Klaus Severne ist nun Topchis erste eigenständige Regiearbeit in Deutschland. Servene hatte Topchi 2014 beim Interkulturellen Suppenfest in Mannheim kennengelernt, gemeinsam entwickelten sie das aktuelle Stück.

„Diesen Mann muss man in Mannheim halten. Er hat den Blick fürs Ganze und nimmt die Reaktionen der Schauspieler auf. Ich hoffe, dass er lange hier bliebt“, sagt Servene.

In drei Jahren wollen Servene und Topchi das Stück auch in der bulgarischen Stadt Plovdiv aufführen, in einer der zwei Europäischen Kulturhauptstädte 2019. (Zu diesem Zweck soll "Flirt mit dem Tod" auch in Kürze ins Bulgarische übertragen werden.Der Lektor.)

Das Vierpersonenstück, das an Hugo von Hofmannsthals „Jedermann“ angelehnt ist, spielt in einer Mietswohnung im Mannheimer Stadtteil Neckarstadt. (Oder in jeder anderen Mietswohnung. Der Lektor.)

Ein musisch talentierter und künstlerisch interessierter Mann – im Stück „Mensch“ genannt – leidet unter seiner Arbeit, die ihn nicht erfüllt, die ihm sinnlos erscheint und die ihm immer mehr Zeitinvestition und Lebensenergie abverlangt. Ein überraschter Lottogewinn verändert sein Leben. Er schmiedet Pläne von einem neuen Auto, einem Haus am Meer und einer Weltreise. Doch der unterwürfige Versager wandelt sich zu einem überheblichen Prahler. So hält der „Mensch“ die Frau, die morgens vor seinem Fenster erscheint, für eine Prostituierte, die von seinem Reichtum angelockt und ihm nun zu Diensten ist. Er kann nicht glauben, dass ihm der Tod in Gestalt einer schönen Frau erscheint und hält die entsprechenden Erklärungen der Frau für ein erotisches Spiel.

Als der „Mensch“ seine Situation endlich begreift, versucht er den Tod zu bestechen. Eines seiner Gedichte offenbart seine romantische Seele, und der Tod gerät selbst in Zweifel darüber, ob er seiner wachsenden Zuneigung zum „Mensch“ nachgeben oder seinen Auftrag ausführen soll.

"Das Stück wirft Fragen nach Sinn und Unsinn unseres täglichen Strebens, nach unseren unerfüllten Erwartungen und Enttäuschungen auf. Gleichzeitig konfrontiert es die Zuschauer mit der Endlichkeit des Lebens“, sagt Topchi.

Es sind Fragen, die jeden Menschen – egal welcher Nation oder Religion – betreffen. Es betont so die Gemeinsamkeiten, wie sich in einer Szene am Ende des Stücks zeigt. Ein Junge dreht ganz langsam einen Globus in seinen Händen, schaut auf die Welt und sagt: „Es wird der Tag kommen, an dem die Menschen von Mensch zu Mensch sagen können, wir sind doch Geschwister unter einer Sonne.“

Mannheimer Morgen: „Jedermann“ in der Mannheimer Neckarstadt

Es war im vergangenen Sommer, als unter Hansgünther Heyme in Mannheim Shakespeares “Sturm” aufgeführt wurde – ein zweisprachig auf Deutsch und bulgarisch inszeniertes Stück, das auf überregionale Resonanz stoßen sollte.

“Wir haben für den ,Sturm’ fünf Monate sehr intensiv geprobt, haben dann eine tolle Aufführung gemacht”, rekapituliert Darsteller Guramy (Bild). Daraus habe sich eine gute Gemeinschaft aus sehr talentierten Mitstreitern herausgebildet, fährt er fort. “Es wäre schlichtweg schade, das wegzuwerfen und es nicht fortzusetzen.”

Uraufführung im Mai

Die Konsequenz: Wie Guramy haben sich fünf weitere “Sturm”-Akteure der freien, internationalen Mannheimer Gruppe “Unser Theater” angeschlossen – aus deren Reihen wiederum vier bei Heyme dabei waren. Unter ihnen Limeik Topchi, weiland Prospero-Darsteller und Regie-Mitarbeiter Heymes, der “Unser Theater” 2013 gründete. Zusammen mit einem fünfköpfigen Ensemble (Margarita Zarkova, Michelly Nowlly, Guramy und Nick Zarkov) führt er nun bei “Flirt mit dem Tod” Regie, das am 20. Mai (20 Uhr) auf der “Casablanca”-Bühne des Capitol uraufgeführt wird.

Geschrieben wurde das Stück – eine Art im Stadtteil Neckarstadt angesiedelter “Jedermann” – vom Mannheimer Autor und Herausgeber Klaus Servene nach einer Idee und auf Anregung Topchis.

Die groteske Handlung erzählt von einem musisch talentierten und künstlerisch interessierten Mann (“Mensch” genannt), der unter einer Arbeit leidet, die ihn nicht erfüllt, ihm sinnlos erscheint. Als er eines Tages sechs Millionen Euro im Lotto gewinnt, vollzieht er eine charakterliche Wandlung.

“Unser Theater” will überdies eine von Servene neu geschriebene Bühnenfassung von Lessings “Nathan der Weise” inszenieren – diesen April soll es losgehen, die Aufführung ist für September avisiert. Die Gruppe sucht noch Schauspieler, Sponsoren und Spielstätten

© Mannheimer Morgen, Mittwoch, 20.April 2016

(c) Bühnentexte 2015/2016: Klaus Servene. Auch der bulgarischen Übersetzung von Emilia Draganova. Bitte kontaktieren Sie Limeik Topchi, wenn Sie an einer Aufführung an Ihrem Ort interessiert sind.

Weitere Informationen zur Aufführung, Kontakt und Leitung Ensemble "Unser Theater":
Limeik Topchi
Schauspieler & Regisseur
E-Mail: info@unser-theater.com
Homepage http://unser-theater.com



Schreibbilanz Klaus Servene

Werkauswahl Band 1: Wilder Honig – Lyrik, Essays, Szenen, 264 Seiten, Farbfotos, kartoniert, ISBN 978-3-936625-73-8

Abendstille

Wir werden schmunzelnd in den Gräbern liegen,
wir fahren nach Magnolien, was von uns bleibt
ist wechselhaft, Katzengold und Eintagsfliegen,
Badezeug, Plutonium – und natürlich Plastikfolien.

Ausgewählte Gedichte und Textamente (1970 bis 2015), Essays und Kürzest-Texte, sowie szenische Arbeiten (ab 1995 bis 2015), zuletzt: Mühlbach verreist.





Werkauswahl Band 2: Und über uns – die Brücke der Erwartung; Erzählungen, 192 Seiten, kartoniert, ISBN 978-3-936625-70-7

Stories und Kurzgeschichten.

»Eine faszinierende Reise durch das Unterholz der Gegenwart (...) Geschichten aus Glas, die sich dem Leser ins Fleisch schneiden.« Glanz & Elend, Magazin für Literatur und Zeitkritik

»Wer über Klaus Servenes Sätze wandert, merkt nicht, wie begierig er bald den verschiedensten Gerüchen nacheilt. Etwas kocht. Mal in uns, mal in unserer Nähe, denn die Welt bei ihm ist ein Gericht, an dem wir, die Unersättlichen, uns die Zunge verbrennen.« Dimitré Dinev, Wien

»Klaus Servene schreibt großherzig und sarkastisch zugleich. Ein Mensch mit einer süßen Zunge, mit einem warmen Mund, wie man in Afghanistan sagen würde.« Massum Faryar, Berlin

»Lebendige Geschichten, souverän und wirklichkeitsgesättigt.« Mannheimer Morgen

»Ein Schriftsteller, der tatsächlich seine Geschichten wie Kastanien aus dem Schmutz fischt und sie solange geduldig säubert, bis sie zu glänzen beginnen. Empfehlenswert.« Michael Lehmann-Pape, Leverkusen

Werkauswahl Band 3: Fell & Seife – Zwei Romane, 212 Seiten, kartoniert, ISBN 978-3-936625-74-5

Warum wird der deutsch-belgische Lehrer Patrick Du Trou ermordet – eine reine Namensverwechslung? Inwiefern wird der IT-Spezialist Johannes Deprez das Opfer einer Bluttat aus Eifersucht; einer Tat, die er selbst begangen hat? Und was hat Seife mit Nobels Sprengöl zu tun?

Im »kurzen Roman vom Fell« geht es um die Geschichte eines »Nazijägers«, um politische und genetische Familiengeheimnisse und Schandflecken.

»Die Spur der Seife« behandelt das Thema Gewalt aus der Sicht eines Mörders. Die Spur führt in die Karibik, nach Südindien, nach New York, in den deutschen Südwesten mit seinen Städten und letztlich in den Hunsrück.

»Eine eindrückliche Innenansicht in unbekannte Dimensionen deutschen Lebens, deutscher Provinz, deutscher Mentalität, in einer herausragenden und originalen literarischen Sprache, voller ausdrucksstarker Szenen und Bilder.« Sawrennemik, die führende bulgarische Literaturzeitschrift für ausländische Literatur (Hrsg. Vladimir Zarev), Sofia, zur Veröffentlichung des »Kurzen Romans vom Fell« 2013 in bulgarischer Übersetzung.

»Mit feiner und umfassend differenzierter Sprache, im Stil durchaus angemessen wechselnd und ebenso differenziert gezeichneten Protagonisten erzählt Servene seine beiden Geschichten verletzter Menschen (...) Rückzug von der Welt, Kampf gegen sich selbst, Ohnmacht vor jahrhundertealten Schicksalslinien und doch immer auch ein Funken Hoffnung auf Besserung, auf ein Mehr sind die inneren Themen beider Romane, die für ein intensives Lese-Erlebnis sorgen.« M. Lehmann-Pape, Leverkusen

Werkauswahl Band 4: Hitzkopf, Roman, Paperback, 224 Seiten, 8. Auflage Andiamo-Verlag, Mannheim 2015, ISBN 978-3-936625-72-1

1995. Die Diagnose Krebs befällt die Familie Lorang. Betroffen sind alle, erkrankt ist Justus Lorang, der nach der Überwindung des ersten Schocks umgehend seine Erinnerungen plündert und mit Hilfe seiner Frau Enni und der Ghostwriterin Brunhild von Heppe eine große Stoffsammlung beginnt. Er hat nur zehn Tage Zeit, denn dann wird er operiert und niemand kennt den Ausgang. Sein Ziel ist die Herausgabe eines »selbsttherapeutischen« eigenen Buchs, mit dem er »innere Ordnung« schaffen will, während Brunhild von Heppe eigene publizistische Absichten verfolgt und auch nicht davor zurückschreckt, Justus Lorang diversen Weggenossen gegenüber bereits für tot zu erklären. Sie ist es auch, die Regie führt, wenn mosaikartig das Leben dieses Mannes »seziert« wird, der sich selbst als »das Fleisch gewordene Copyright diverser deutscher Michels« bezeichnet. Aus dessen Tagebuchaufzeichnungen und einigen Briefen seiner diversen weiblichen wie männlichen Weggenossen scheint eine schillernde Person auf, und gleichsam mit dieser Person auch die schillernden Fragen: Woran leiden Männer, auch deutsche aus der Nachkriegsgeneration? Woran erkranken sie und kann man ihnen helfen – wollen sie überhaupt gesund werden?

Aber es geht um noch mehr, als um die Überwindung körperlicher Defekte. Es geht um Selbstbehauptung in einer interessengesteuerten Welt. Es geht um beruflichen Erfolg, um hitzige Übertreibungen, um Zukunftsängste und um Zuversicht.

»Ich stutze in den Faustschlag, der parallel zu dieser Frage kommt, genau auf mein rechtes Auge. Es kommen viele Fragen. Und noch mehr Schläge. Die Schläge sind immer wie kontrolliert. Mal fest und schmerzend, mal fast zart, wie wenn man einen Kumpel aufmuntern will. Sie tun mir weh, ihre Schläge, aber sie sind nicht vernichtend, nicht als einzelne Schläge vernichtend, verstehen Sie Brunhild? Nur in ihrer Gesamtheit sind sie vernichtend. Überall am Kopf knirscht es, und dauernd platzt was anderes auf.«

» ... ein Stück innerer Zeitgeschichte deutschen Daseins über die Jahrzehnte hinweg jener Generation, die man 68er nennt. ... « (Michael Lehmann-Pape, Leverkusen)
» ... Ein amüsanter Michel ... « (Mannheimer Morgen)
» ... Wanderer zwischen Heimat und Welt ... « (Hochwälder Wochenspiegel)
» ... literarischer Hochgenuss ... « (Trierischer Volksfreund)

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"Ein kurzer Roman vom Fell" auf Bulgarisch erschienen


Aus einem Brief an den Förderkreis deutscher Schriftsteller Baden–Württemberg (aus dem Englischen): »Sofia, 14.Januar 2013 (...) Savremennik ist seit mehr als vierzig Jahren die führende Vierteljahresschrift für ausländische Literatur in Bulgarien. Die Philosophie unseres Magazins ist, für bulgarische Bürger und AutorInnen Türen zu anderen Teilen der Welt zu öffnen, zu anderen Sichtweisen auf die Welt (...) In diesem Zusammenhang sind wir sehr froh (...) den kurzen Roman vom Fell von Klaus Servene zu publizieren. (...) Fell (gibt) eine eindrückliche Innenansicht in unbekannte Dimensionen deutschen Lebens, deutscher Provinz, deutscher Mentalität, in einer herausragenden und originalen literarischen Sprache, voller ausdrucksstarker Szenen und Bilder. Das ist genau, was wir suchen. Darum versichern wir (...) dass der Roman Fell, in der Übersetzung der berühmten bulgarischen Übersetzerin Emilia Draganova, vollständig in einer der Nummern unseres Magazins in 2013 veröffentlicht wird. (...) Gez. Vladimir Zarev, editor-in-chief, Vladimir Minkov 2nd editor-in-chief«

Die Übersetzung wurde finanziert vom Förderkreis Deutscher Schriftsteller in Baden-Württemberg e.V. mit Mitteln des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg - vielen Dank auch an dieser Stelle!

Emilia Draganova wurde 1952 in Kazalnak, Bulgarien geboren. Nach dem Abschluss des Germanistikstudiums an der Sofioter Universität arbeitete sie als Deutschlehrerin, freischaffende Dolmetscherin und Übersetzerin und Verlagslektorin. Seit April 2006 ist sie wieder freischaffende Übersetzerin. In Bulgarien sind in ihrer Übersetzung erschienen (Auswahl): Schatten im Paradies und Der Weg zurück (E. M. Remarque) - Tagebücher und Briefe (M. Wander) - Die Lawine (M. von der Grün) - Mein Name sei Gantenbein (M. Frisch) - Die Vernichtung Mitteleuropas (K.-M. Gauß) - Hinze-Kunze-Roman (V. Braun) - Die Birnen von Ribbeck (Fr. Chr. Delius) – ausgezeichnet mit dem Preis Plovdiv - Schlafes Bruder (R. Schneider) - Das europäische Alphabet (K.-M. Gauß) - Leyla von Feridun Zaimoglu.

Aus der Enge

Aus der Enge. Gedichte, Textamente, Essays, 132 Seiten, Paperback, Edition Rote Zahlen, 3. Auflage Buxtehude 2014, ISBN 978-3-944643-38-0, 12.90 €

• Auferstehung •

In Ruinen wirft die Sonne
ein besonders bombastisches Licht,
doch wie im Rückzug begriffen
scheint sie – zu kapitulieren.

Aus dem Aufbruch von schweren Granaten
steigen besonders blasse Monde empor,
und nie gesehene Pflanzen erwachsen.
Innere Wesen weiden auf Gras –
als würde es sie wirklich geben.

In den Meeren zerknicken Wale Harpunen,
eine Raumstation driftet im All,
am Südpol im Eis findet man Runen –
aus der Zeit vor dem Sündenfall.

In kaputten Städten neu geborene Kinder,
am Grund des Flusses ein Klavier,
und auf wüsten Straßen stillen
tätowierte Frauen ein Fabeltier.

In diesem Band sind Werke aus vier Jahrzehnten vereinigt, und als ich nun die frühe Lyrik von Klaus Servene las, die aus den Siebzigern, dachte ich sofort an die Bilder von Horst Janssen in jener Zeit. Janssen war damals in den Augen der Alles- und Besserwisser als Künstler völlig inakzeptabel. Man hatte informell zu malen, oder abstrakt oder surreal. Heftete man aber den Blick auf Blumen, Frauen, Bäume etc. und versuchte, deren innerstes Sein auf die Fläche zu bannen, dann war man als Künstler erledigt. Nun, Janssen war Manns genug, sich vom Zeitgeist nicht beeindrucken zu lassen. Dabei konnte er buchstäblich alles. Jeden Stil fürs Feuilleton hätte er abliefern können, jedes Gemälde für die sammelnd-raffenden Schokoladenkönige dieser Welt, jede Ware, die von den Galerien mit den teuren Adressen angefordert wurde. Und alles wäre ihm zum Meisterwerk geworden.

Aber er tat es nicht. Weil er kein Krämer war. Das hat natürlich seinen Preis. Zugleich auf die Wohlhabenden, die Revoluzzer und die Kritik zu pfeifen – das bedeutet, ganz und gar auf sich selber setzen.

Lese ich nun, was Klaus Servene aus den Siebzigern für diesen Band ausgewählt hat, dann weiß ich: Ähnlich wie Janssen, muss er sich damals zunächst auf völlig verlorenem Posten gefühlt haben. Es war die hohe Zeit der Schein-Lyrik. Gefragt war guter Wille, die 'richtige' Gesinnung. Wer - von wegen der Bedeutung - seine Blähungen mit aleatorischem Zeilenbruch versah und ein plattes pro bonum, contra malum zelebrierte, wurde von einem Publikum hofiert, das diese Unfähigkeit für Kunst hielt und morgen eine andere Unfähigkeit für Kunst halten wird. Wer hingegen damals, wie Klaus Servene, Formbewusstsein, handwerkliches Können, den unbedingten Willen zum Ästhetischen zeigte, galt als rückständig, als Fossil einer abgestorbenen, spätbürgerlichen Kunstepoche.

Das Meiste der Produktion jener Protagonisten, die nach dem 'Gebrauchswert von Literatur' fragten, ist schon heute vergessen. Klaus Servene aber wird, wie ein Horst Janssen, über alle Moden hinweg bedeutend bleiben.


Hans-Joachim Griebe, Herausgeber

Aus der Enge. Gedichte, 84 Seiten, Hardcover, Schutzumschlag, Lesebändchen, AndiamoVerlag, 4. Auflage Mannheim 2015, ISBN 978-3-936625-67-7, 14.80 €



»Man schwimmt und erreicht kein Land. Da freut es einen schon, wenn man eine Boje sieht. Man wird sich an ihr festhalten wollen, um innezuhalten, etwas auszuruhen. So ging und geht es mir schon seit meiner Schülerzeit mit Lyrik. Aber was ich damals mit eigener Feder festzuhalten glaubte, habe ich längst verloren oder weggeworfen. Doch ein paar selbst gefischte Perlen aus den Siebzigern, und natürlich das Beste meiner Lyrik seit Mitte der Neunziger, haben es in dieses Buch geschafft. Ich hoffe zu Recht – denn wenn Lyrik nicht immer wieder neuen Halt bietet, im Lesen und im Schreiben, neuen Grund, den Blick auf die Welt und das Leben zu schärfen, geht sie unter.«
Klaus Servene

Biobibliografisches

Ich schreibe keine Erinnerungen - ich schreibe was ich weiß.

In Marburg geboren, aufgewachsen im Hunsrück, Germanistikstudium in Mainz und Marburg; viele Jahre in Norddeutschland gearbeitet und gelebt, 1997 bis 2017 in Mannheim, ab Dezember 2017 wieder in Hamburg; seit 1995 literarischer Autor; Lyrik, Kurztexte, Stücke, Erzählungen, Romane; ab 2001 auch Herausgeber und Literaturvermittler. Inzwischen etliche eigene Bücher publiziert und über 50 Bücher anderer Autorinnen und Autoren. Diverse Beiträge in Sammelwerken. 2013 wird Ein kurzer Roman vom Fell in der Übersetzung von Emilia Draganova komplett im Sawremennik veröffentlicht, der führenden Zeitschrift für ausländische Literatur in Bulgarien; Verschiedene Literaturpreise und Förderungen.

Erstveröffentlichungen als Herausgeber z.B.: Ein Licht über dem Kopf von Dimitré Dinev (2000), Zigi übers Meer von Zsuzsa Bánk (2008; ein Auszug aus ihrem noch unveröffentlichten Roman Die hellen Tage) und Der Rucksack von Massum Faryar (2008); Lektorat und Herausgabe (mit der Stadt Mannheim, Sudabeh Mohafez und Dimitré Dinev) der Anthologie Grenzen.Überschreiten. – Ein Europa-Lesebuch (2007/2008 – Texte von Marica Bodrožić, Irena Brezna, Yadé Kara u.v.a.); Lektorat und Herausgabe der Europabreviere Grenzenlos (2011, 2012 mit Thomas Frahm, 2013).

Einer meiner Lieblingssätze aus eigener Feder lautet: "Man ist frei, wenn die Seele so stark ist, dass man keinen Namen mehr braucht." Dennoch: Mit Freude habe ich das Gedicht von Bonn nach Mannheim – an Klaus Servene von Rumjana Zacharieva gelesen (in: traumwechselstörung, Edition Voss, Lyrikpapyri, Horlemann Verlag Berlin 2013),und auch die Widmung von Jürgen Nielsen-Sikora in seinem Essay über Europa: Das Ende der Barbarei. Sie lautet: „Klaus Servene, dem unermüdlichen Europäer.“ (Franz Steiner Verlag, Stuttgart 2012). Mit doppelter Freude erfüllt mich Massum Faryars Danksagung am Ende seines Romans Buskaschi oder Der Teppich meiner Mutter, das Werk ist endlich bewerkstelligt & dann denkt er auch noch ausgerechnet an mich! (Kiepenheuer & Witsch 2015)

Eigene Veröffentlichungen (Auswahl):

Hitzkopf (Roman), Mannheim 2000
Schatilah (Roman), Mannheim 2000
Deutschland-Tango (Lyrik und Kurztexte), Mannheim 2001
Das tragische Ende des August von Kotzebue (Ein szenischer Nachruf, Regie: Sascha Koal), 2002
Schandflecken (Erzählung, in: Nehmt mich beim Wort, C.Bertelsmann-Verlag, München 2003)
Zugereist (Ausgewählte Prosa 1995 bis 2007, limitierte Auflage zum Mannheimer Stadtjubiläum), 2007
Ein kurzer Roman vom Fell, (Roman), Mannheim 2007
Ein Haus in Bulgarien, (Erzählung, in: Wilde Vögel fliegen, Achter-Verlag, Acht 2009)
Als mein Herzschrittmacher streikte, (Lyrik,in: Der literarische Zaunkönig, Wien 3/2009, sowie in Ö1/ORF "Nachtbilder" 28.11.2009, gelesen von Michael Dangl)
Unter Asche, (Exzerpt aus der Erzählung, in: Im Verborgenen, Mannheimer Heinrich-Vetter Literaturpreis 2010 - Texte der Preisträger(innen) sowie der Nominierten, Literarisches Zentrum Rhein-Neckar e.V. Die Räuber 77, Mannheim 2010)
Mannheim, Germany (Stories), Achter Verlag, Acht 2010
Aus der Enge - Gedichte & Textamente (Lyrik, kurze Prosa & Essays), Buxtehude/Berlin 2013/2014
Flirt mit dem Tod (Bühnenstück, Idee und Regie: Limeik Topchi), UA 2016
Nathan der Weise (Neue Bühnenfassung, Idee und Regie: Limeik Topchi), Premiere 2017

Herausgaben (Auswahl):

Bücher von Jan Turovski, Nikolaj Tabakov, Rumjana Zacharieva, Thomas Frahm, Meinrad Braun u.a.
Hallo Taxi (Kurzgeschichten), Mannheim/Norderstedt 2001
Taxi-Hörbuch mit Musik (Kompakt-CD; mit Peter Tröster), Mannheim 2005
grenzen.überschreiten. ein europa-lesebuch (Kurzgeschichten; mit der Stadt Mannheim, Sudabeh Mohafez und Dimitré Dinev), Mannheim 2008
grenzenlos. ein literarisch engagiertes europabrevier (Anthologie), Mannheim 2011
europabrevier grenzenlos 2 - eine literarische Bulgarienreise, ein Puzzle & andere Wegbeschreibungen aus der Enge (Anthologie; mit Thomas Frahm), Mannheim 2012
Rumjana Zacharieva: Am Grund der Zeit. Gedichte. Neuauflage, Mannheim 2013
europabrevier grenzenlos 3 - JA. Roman von Nikolaj Tabakov. Aus dem Bulgarischen von Rumjana Zacharieva, Mannheim 2013

WIKIPEDIA

Leseprobe 1. Weltkrieg

Seit Mai 2000 Texte folgender Autorinnen und Autoren veröffentlicht (AUSWAHL in alphabetischer Reihung nach Nachnamen):

Farhad Ahmadkhan - Dimo Alexiev - Minnet Atil - Zsuzsa Bánk - Aviva Barkhourdarian - Rolf Bergmann - Doris Bewernitz - Marica Bodrožić - Ariane Böckler - Christo Botev - Meinrad Braun - Silvana Braukmann - Irena Brežná - Mascha Buchen - Charles Bukowski - Canis Dei - Nikias Chryssos - Zehra Çirak - Christiane Daubermann - Manfred Dechert - Jean-Philippe Devise - Kristin Dimitrova - Dimitré Dinev (Autor u. Hg.) - Siegfried Einstein - Massum Faryar - Diana Feuerbach - Thomas Frahm (Autor, Übersetzer, Hg.) - Daniel Glattauer - Reinhard Griebner - Ralph Günther - Bille Haag - Hippe Habasch - Ilka Christiane Haederle - Gertrud Häfner - Jochen Hörisch - Peter Houska - Mirela Ivanova - Elias Jammal - Evelina Jecker-Lambreva - Yadé Kara - Wolfgang Klein - Helga Köbler-Stählin - Hubert Kölsch - Uwe Kräuter - Ivan Kulekov - Rudy Kupferschmitt - Adolf Kutschker (Autor u. Hg.) - Anke Laufer - Manfred Loimeier - Sunil Mann - Georgi Markov - Stojan Mihajlovski - Hanno Millesi - Sudabeh Mohafez (Hg.) - Pega Mund - Jürgen Nielsen-Sikora - Paraskeva Nikoltscheva-Mau - Konstantin Pavlov - Claus Probst - Rea Revekka Poulharidou - Sylvie Schenk-Gonsolin - Rainer Schildberger - Darina Schneider - Amaryllis Sommerer - Marina Stepnova (Übers. von Marlies Bilz und Angelika Starobinskaja) - Nikolaj Tabakov - Kalin Terzijski - Christine Thiemt - Limeik Topchi (Regisseur, Schauspieler, Ideengeber) - Sabine Trinkaus - Peter Tröster (Hg. u. Komponist) - Jan Turovski - Alessandra Volpe (Hg.) - Angel Wagenstein - Frank Wallenta - Rainer Wedler - Werner Weimar-Mazur - Stephan Weiner - Ina Weixler - Ursula Wiegele - Kirsten Wilczek - Rumjana Zacharieva (Autorin, Übersetzerin) - Peter-Paul Zahl - Vladimir Zarev - Christian von Zimmermann - Galina Zlatareva



Klaus Servene im Interview mit Helga Köbler-Stählin (Mannheimer Morgen) - Foto: (c) Manfred Rinderspacher

Presse- und drei Freundesstimmen

Mannheimer Morgen


Weitere Artikel im Mannheimer Morgen Hier.

Glanz und Elend


>> Wer über Klaus Servenes Sätze wandert, merkt nicht, wie begierig er bald den verschiedensten Gerüchen nacheilt. Etwas kocht. Mal in uns, mal in unserer Nähe, denn die Welt bei ihm ist ein Gericht, an dem wir, die Unersättlichen, uns die Zunge verbrennen. << Dimitré Dinev, Wien

>> Klaus Servene schreibt großherzig und sarkastisch zugleich. Ein Mensch mit einer süßen Zunge, mit einem warmen Mund, wie man in Afghanistan sagen würde.<< Massum Faryar, Berlin

>> Nur aus Büchern wie denen Klaus Servenes, eines nackt und ungeschützt auf der Sprache wandelnden Zeitzeugen, erfahren wir noch von einem Deutschland, das zwischen K wie Kaiserreich und K wie K-Gruppen nicht aufgehört hat, grausame Verhärtungen zum Normalfall des Menschen im K wie Kapitalismus zu erklären. << Thomas Frahm, Sofia/Duisburg

Mannheim, Germany. Stories.


Von Namenlosen wird hier erzählt, von kleinen Leuten in großen Nöten, vom verborgenen Leben und von frostigen Fingern. Welches Kraut ist gegen Gewalt und Krise, gegen Krankheit und Hass, gegen Neid und Missbrauch gewachsen? Gibt es überhaupt ein Kraut und wo kann man es finden - mitten in der Stadt?

"Servene ist Erfinder und Dramaturg zugleich, der sich Gedemütigten, Verletzten und Zerstörten widmet. Seine Protagonisten kämpfen und bieten dem Leben die Stirn. Seine Schauplätze menschlicher Hoffnung und Ängste, seine Dramatik in alltäglichen Geschichten, der geschilderte Zerfall von Sozialstrukturen sind es, die Juroren überzeugen." (Mannheimer Morgen).

Das Buch versammelt preisgekrönte, bislang verstreute Geschichten und neue Stories über das kleine Glück. Titelgebend war ein Gedicht von Charles Bukowski über Mannheim.

178 Seiten, Fadenheftung, Hardcover mit Schutzumschlag, Lesebändchen, Achter-Verlag, Acht 2010, ISBN 978-3-9812372-45, 17,80 €

Rezension Glanz und Elend:
»... eine faszinierende Reise durch das Unterholz der Gegenwart ...«

Mannheimer Morgen:
»Lebendige Geschichten ... souverän und wirklichkeitsgesättigt ...«

Michael Lehmann-Pape, Leverkusen:
»Ein Schriftsteller, der tatsächlich seine Geschichten wie Kastanien aus dem Schmutz fischt und sie solange geduldig säubert, bis sie zu glänzen beginnen. Empfehlenswert.«

Leseprobe

Der literarische Zaunkönig, Wien: